Riane Eisler: Wirtschaft nach CoV: “Wir können die Spielregeln ändern!”

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Finde Riane Eisler großartig, sie wirkt überzeugend und geistig so jugendlich frisch, trotz Jahrgang 1931 – das Video ist allerdings aus 2011. Die Argumentation finde ich toll, was die Notwendigkeit einer Neuorientierung der Wirtschaft auf CARING statt Profit betrifft. Auch die Kritik am “real existierenden Sozialismus” halte ich für zutreffend (auch wenn sie Marx diesbezüglich teilweise zu Unrecht rügt, sie scheint ihn nicht besonders gut zu kennen).

Die vorgeschlagene Strategie ist allerdings m.E. viel zu schwach. Eine Änderung der Kennzahlen (die Entwicklung eines neuen Indexes, um wirtschaftlichen Fortschritt zu messen statt des herkömmlichen BIP (Brutto Inlandsprodukt)) würde bestenfalls zu gewissen Korrekturen auf politischer Ebene führen, aber bestimmt nicht zu einem Durchbrechen kapitalistischer Akkumulationsprozesse. Und auch, wie die von ihr gelobten nordeuropäischen Staaten, bringen Sozialstaat und frauenfördernde Regelungen zwar Fortschritte, sie sind aber noch kein nachhaltiger Bruch mit Patriarchat und Kapitalismus. Dazu braucht es wesentlich radikalere Schritte.

Die Argumente von Riane Eisler sind aber wichtig für die Diskussion einer wirklich emanzipativen Gesellschaftsvision. Und genau daran mangelt es grundlegend. Diese Diskussion wird einfach nicht geführt. Entweder wird sie als viel zu utopisch betrachtet oder viele Linke wähnen sich bereits im Besitz einer Vision, die oft nicht mehr als eine Wiederholung alter Geschichtsmythen und -modelle (Stalin, Mao,….) darstellt, wenn sie nicht klammheimlich auf sozialdemokratische Geleise gewechselt sind!!! Nicht wenige geben sich auch mit Konzepten wie Bedingungsloses Grundeinkommen, Schwundgeld, Bank für Gemeinnützigkeit, Mikrokrediten, Genossenschaften usw. zufrieden. Das sind lauter interessante Dinge, die aber die Wurzel des Übels ignorieren und deren Behandlung umgehen. Sie reichen allesamt bei Weitem nicht aus, die Probleme unserer Zeit (Kluft zwischen Arm und Reich, Kriege und Neokolonialismus, drohende Klimakatastrophe, Wirtschaftskrise, Rassismus, Unterdrückung, Ausbeutung, Diskriminierung jeglicher Art, insbesondere der Frauen usw.) nachhaltig zu lösen. Dazu braucht es grundlegende, demokratisch entwickelte radikale Alternativpläne und -konzepte – und eine Mehrheit der Bevölkerung, die deren Umsetzung erkämpft.

Artikel auf der ORF-Homepage: https://orf.at/stories/3187108/

Video der Rede von Riane Eisler (TEDx – 2011): Building a Caring-Economy https://www.youtube.com/watch?v=f9cMcTWWDkU