Otto Scharmer über die Coronakrise im Ö1-Interview

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Das Interview (ca. 15 min) mit Otto Scharmer wurde am 9.4.2020 gesendet.

Im Folgenden einige Auszüge aus dem Gespräch.

Otto Scharmer bringt es auf den Punkt: “Was wir aus der Coronakrise lernen können:

1. Das Grundgefühl in Bezug auf die Zukunft ist bei fast allen Menschen in fast allen Ländern: Die Art und Weise, wie wir Wirtschaft und Gesellschaft heute organisieren ist nicht nachhaltig. Ist dabei, gegen die Wand zu fahren.

2. Ich möchte auch an einer anderen „story of future“ mitmachen.

3. Ich weiß nicht, wie das geht.“

“Es braucht eine Transformation der Ökonomien vom „Ego-system awareness“ zu einer „Öko-system-awareness“….„Es ist möglich – aber es muss eine Priorität sein.“ …”Aus der Coronakrise können wir 3 Dinge lernen: Dass wir als Menschheit innerhalb von 3 Wochen in der Lage sind, unser Verhalten zu verändern. Wie wir uns die Hände waschen, Strukturen von social distancing einführen, wie wir ökonomische Aktivitäten nach unten führen… All das hat es in globalem Maßstab mit Milliarden Menschen involviert bisher noch nie gegeben. Und es gibt auch keine Spezies auf der Erde, die das machen kann, die die Grundstrukturen ihres Verhaltens innerhalb von 3 Wochen verändern kann. Das heißt, wenn es uns gelingt, dass wir uns auf ein Thema konzentrieren, auf die Themen, die uns wichtig sind, dann ist alles möglich. Wir haben gesehen, dass das Verhalten veränderbar ist, dass Resouren in bisher nicht gekanntem Ausmaß plötzlich zur Verfügung gestellt werden konnten, z.B. 2,3 Billionen Dollar hier in den USA. Und das war erst der Anfang…..

Was Corona uns gelehrt hat: Es ist möglich! Es muss eben nur eine Priorität sein. Und es muss uns gelingen, uns gemeinsam auf die Priorität zu fokussieren. Und das ist das Thema, das wir mit der Klimabewegung haben: Dass wir nicht nur die Herausforderungen (anpacken), die direkt vor der Haustüre auftauchen, sondern auch, was erst in ein paar Jahren auf uns zukommt. Weil die Klimakrise ist schon da. Sie ist eben nur nicht in der Vehemenz da – noch nicht – mit der wir heute die Coronakrise erleben. Aber das, was auf uns zukommt, ist natürlich noch mal multipliziert das in den wirklichen Auswirkungen. Insofern und von daher ist die Lernerfahrung der Coronakrise unheimlich wichtig. Weil plötzlich wissen wir, wenn es eine politische Priorität ist, sind eigentlich die relativ geringfügigen Ausgaben, die wir für die Bewältigung der Klimakrise brauchen, die sind absolut machbar.“

Kommentar: Die Frage ist, wer macht´s? Aus der Krise können wir lernen. Zu befürchten ist allerdings, dass zwar viel Geld verpulvert wird, ohne das System wirklich zu ändern mit der Illusion, man könne so weitermachen wie bisher und durchtauchen. Das wird´s nicht spielen. Ja, wir können versuchen, weiterzumachen wie bisher. Einerseits wird es nicht gehen, weil Corona nicht einfach von einem Tag auf den anderen in absehbarer Zeit verschwinden wird. Und weil wir es mit einer tiefen Wirtschaftskrise (vermutlich tiefer als 2008/09) zu tun haben, die erst am Anfang steht. Und weil die Ökologiekrise nicht einmal ansatzweise gelöst ist, im Gegenteil. Scharmer spricht es auf der prinzipiellen Ebene an. Es braucht aber auch konkrete Szenarien und Pläne, wie ganz real umgesteuert werden soll. Mit ein bisschen CO2-Steuer, Elektroautos und kritischem Konsum eines Teils der Bevölkerung wird es nicht getan sein

Hier geht´s zum Interview auf Ö1:

https://oe1.orf.at/player/20200410/594916?fbclid=IwAR294RRTRtZqymDPVA4je7ZURAxiW_PdU133voKyEjWI_mI-3cEpzTVCgaw